Bin ich ehrlich zu mir?
Ein Plädoyer für mehr radikalität im innenleben.
Was ist meine Haltung, was ist mein wahres Selbst, was sind Anteile, was ist wirklich heilsam, … so viele Fragen, Irrwege, Richtungen.
Ein kleiner Wegweiser für mich im Prozess der Innenarbeit sind 2 Prinzipien:
Radikale Ehrlichkeit & Radikale Authentizität - mir selbst gegenüber.
Was bedeutet das?
Egal, was ist, die Frage an mich selbst kann immer lauten: stimmt das gerade, ist das gerade wahr, bin ich vollkommen ehrlich in dem was ich da gerade tue, denke, sage, fühle? … und die Antwort lautet sehr oft NEIN. Und das ist GUT so!!
Dann habe ich einen Anhaltspunkt, was noch in mir ist, was auch wahr ist, was das Bild vollständiger macht, komplettiert. Es gibt fast immer diverse Anteile und Gegenspieler, Widerstände - und die gehören mit ins Bild. Die sind gewollt und dürfen und sollen da sein. Sie haben Botschaften, Ängste, Absichten für mich. Nur wenn ich diese auch hören und ehren kann, komme ich der Wahrheit näher und nur dann kann ich mich innerlich bewegen. Denn wenn ich alles in seiner Komplexität und Gegensätzlichkeit in mir anerkenne, nur dann kann etwas blockierendes in mir weich werden, weil es sich in seiner Ganzheit gesehen und verstanden fühlt.
Und dann? Dann kann ich versuchen genau das zu leben, auszudrücken, zu sein. Wie bin ich gerade? Wie fühle ich mich gerade? Und kann ich das verkörpern? … oder verfolge ich oder etwas in mir eine Strategie? Vielleicht um mich zu schützen, um Liebe zu gewinnen, Anerkennung zu erfahren … was es auch sei, hat es eine Agenda und manipuliert das Außen für den eigenen Gewinn? … Vielleicht ja. Und auch das ist OK - das kann ich mir dann radikal eingestehen und von diesem Ort in mir weiterschauen.
DAS ist so mutig, das ist so tapfer und es ist so lohnenswert. Denn es kreiert in mir eine Atmosphäre von radikaler Selbstannahme. Kein Teil wird zurückgelassen, verbannt, verdammt. Es holt alles ans Licht und das in sich ist das heilsamste, was ich mir geben kann. Akzeptanz.
Und irgendwann gelingt es, einfach das was ist, zu sein. Dann fällt die Verkrampfung ab, dann ist egal, was im Außen passiert. Ich bin und darf sein und zeige mich so, wie es gerade ist. Und das fühlt sich gut an. Alles was dann kommt, ist zu mir passend, neu und eröffnet Möglichkeiten, die ich mir vorher niemals hätte vorstellen können. Denn es gab sie bisher noch nicht. Denn gerade bin ich wahrer und neuer und echter als je zuvor. Und so richtet sich mein Leben aus, immer weiter, neuer, Stückchen für Stückchen. Was für ein radikaler Akt der Selbstachtung!


